Das Blut (Sanguis, Vorsilbe Haem-)

Menge

abhängig vom Körpergewicht oder 8 % des Körpergewichtes ist Blut beim Mann 5 – 5,5 l, bei der Frau etwas weniger

Blut teilen wir in zwei große Teile ein

flüssige Bestandteile

feste Bestandteile

54 % 46 %
Plasma ist der Sammelbegriff für alle flüssigen Bestandteile

Plasma = Serum + Fibrinogen (Blutgerinnungsfaktor)

Haematokritwert (Anteil aller festen Bestandteile im Blut)


Änderung des Haematokritwertes

Steigerung / Erhöhen

Sinken

Exsiccose

Einnahme von Diuretika

Schwitzen

erhöhter Anstieg der Erythrozytenanzahl (Polyglobulie) durch Aufenthalt in Höhenlagen

Flüssigkeitszufuhr

chronische Blutungen

Erkrankungen mit vorzeitiger Haemolyse (vorzeitige Auflösung der Blutkörperchen), zum Beispiel bei Lebererkrankungen

Blutbildungsstörungen

Anämie

Serum

  • 90 % Wasser
  • KH in Form von Einfachzuckern 80 – 120 mg% (mg / dl)
  • EW (Albumine, Globuline) 6,5 – 8,5 g% (g / 100 ml)
  • Diese Eiweiße sind in der Lage, Stoffe an sich zu binden und dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden, z. B.
  • Enzyme
    • Hormone
    • Antikörper
    • Vitamine
    • Medikamente
    • Gallenfarbstoff
    • Wasser
  • Fette (Neutralfette, Triglyceride)
  • Cholesterin (fettähnlich, von der Leber produziert)
    • HDL: gutes Cholesterin, im Fischfett
    • LDL: schlechtes Cholesterin, führt zu Gefäßverengung, in Eiern
  • Mineralien (Elektrolyte) z. B.
    • Natrium
    • Kalium
    • Calcium
    • Magnesium
    • Chlorid
    • Phosphat
    • Bicarbonat
  • Spurenelemente
    • Eisen
    • Kupfer
    • Jod
    • Mangan
  • Hormone, Enzyme, Antikörper, Vitamine
  • Gerinnungsfaktoren, außer dem Fibrinogen 13 weitere
  • harnpflichtige Substanzen (Endprodukte aus dem Eiweißstoffwechsel)
    Kreatinin-Clearence: Fähigkeit der Niere, inwieweit sie in der Lage ist, das Serum vom Kreatinin zu reinigen, wenn das jedoch nicht geht, entsteht eine Urämie, als Folge muß der Patient zur Dialyse
  • Serumfarbstoff (Bilirubin)
    • Abbauprodukt von Haemoglobin
    • wird in der Leber produziert
    • wenn es wasserlöslich ist, wird es über den Darm und Urin ausgeschieden
    • bei Neugeborenen kann es nicht wasserlöslich sein, durch UV-Bestrahlung kann Abhilfe geschaffen werden
    • wenn es nicht ausgeschieden wird, entsteht eine Gelbfärbung (Ikterus)
      bei Leberentzündung (Hepatitis)
    • Gallensteine
    • Spuren von Alkohol 0,03 Promille (durch die KH-Gärung)

feste Bestandteile

Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) Blutplättchen (Thrombozyten)
5.000.000 / mm3 4.400 – 10.000 / mm3 140.000 – 400.000 / mm3
die Leukozyten werden unterteilt:

Granulozyten

neutrophil

basophil

eosinophil

Monozyten

Lymphozyten

Erythrozyten

Aufgaben

Bindung des Blutfarbstoffs Haemoglobin, daran binden sich die Blutgase O2, CO2. Menge des Haemoglobins bei Männern 14 – 16 g / dl Blut, bei Frauen 12 – 14 g / dl Blut. Zusätzlich sind Erythrozyten Träger der Blutgruppeneigenschaften.

Entstehung

Im roten, blutbildenden Knochenmark (1.300 g) werden sie gebildet.

Entwicklungsverlauf

  • Erythroblasten
    kernhaltig, sind nur im Knochenmark
  • Reticulozyten
    mit netzartigen Kernresten, befinden sich im Knochenmark, 75.000 auch im Blut
  • Erythrozyten
    kernlos, sie sind nur im Blut anzutreffen

Produktion

  • 160.000 / Minute

Aussehen

  • bikonkav
  • Durchmesser: 7,5 m (1m = mm)
  • Dicke: 1 – 2 m

Herstellung

Der Extrinsic-Faktor (Vitamin B12) wird über die Nahrung aufgenommen, der Intrinsic-Faktor ist das Castle’sche Ferment aus der Magenschleimhaut. Diese beiden Faktoren werden in den Dünndarm gebracht, erst im Ileum ermöglicht das Castle’sche Ferment die Resorption des Vitamins B12. Über die Pfortader (Vena porta) wird dieses Vitamin zur Leber transportiert und dort gespeichert. Bei Bedarf wird es an das blutbildende Knochenmark befördert. Des weiteren wird zur Erythrozytenbildung das Hormon Erythropoetin benötigt. Dieses Hormon wird in der Niere gebildet und in geringen Mengen auch in der Leber. Auch Eiweiß und Eisen werden für den Aufbau von Erythrozyten gebraucht. Die Lebensdauer der Erythrozyten beträgt zwischen 90 und 120 Tagen (3 – 4 Monate) und werden dann in der Leber und Milz abgebaut. Beim Abbau der Erythrozyten wird Haemoglobin frei und in den Gallenfarbstoff Bilirubin umgewandelt.

Bilirubin befindet sich in geringer Konzentration im Blut. Der überwiegende Teil jedoch wird über die Gallengänge in den Dünndarm abgegeben, dort zu Stereobilin umgewandelt und gibt dort dem Stuhl seine Farbe. Ein Teil des Stereobilins wird im Dünndarm zurückresorbiert und dann als Urobilinogen über den Urin ausgeschieden.

Durch den Erythrozytenabbau wird Eisen frei, welches in der Leber gespeichert wird und bei Bedarf an das blutbildende Knochenmark zur Bildung neuer Erythrozyten abgegeben. Der Rest der Zellen wird ausgeschieden.

Granulozyten

Granulozyten machen bis zu 75 % der Leukozyten aus und besitzen einen granulatartigen Zellaib. Auch sie entstehen im roten, blutbildenden Knochenmark; sie sind zudem doppelt so groß wie die Erythrozyten (15 – 20 m). Die Lebensdauer ist unterschiedlich, sie reicht von 10 Stunden im strömenden Blut bis zu 10 Tagen im Gewebe. Dort können einige der Granulozyten sogar bis zu mehrere Monate alt werden. Im jungen Alter ist der Nucleus stabförmig, im ausgereiften Erwachsenenalter ist er segmentförmig und übersegmentiert ist er im “hohen” Alter.

Bei Infektionen befinden sich viele junge, stabförmige Granulozyten im Blut (Linksverschiebung). Abgebaut werden sie dann nicht nur in Leber und Milz, sondern auch am Infektionsherd; die Farbe des Eiters wird dabei von den Bakterien bestimmt, die bekannteste Bakterie ist der Staphylococcus aureus.

Die Granulozyten können wandern und besitzen sogar die Möglichkeit, Gefäßwände zu durchwandern.

Aufgaben der Granulozyten

Die neutrophilen Granulozyten machen den Großteil aus und sind wichtig für die Phagozytose. Die eosinophilen Granulozyten sind für die Antikörperbildung gegenüber körperfremden Eiweißen. Die basophilen Granulozyten beinhalten Heparin und Histamin.

Aufgaben des Histamins:

  • gesteigerte Permeabilität von kleinen Kapillargefäßen
  • Weitstellen der kleinen Kapillargefäße
  • Engstellung großer Blutgefäße

Aufgaben des Heparins:

  • blutgerinnungshemmend, sorgt dafür, daß das Blut innerhalb der Gefäße (intravasal) nicht gerinnt.

Monozyten

  • sie sind die größten Leukozyten (Größe ca. 15 – 20 m)
  • riesiger, fast den ganzen Zellaib einnehmenden Nucleus
  • Aufgabe: Phagozytose

Lymphozyten

  • sie machen ein Drittel aller Leukozyten aus
  • die Stamm- bzw. Urzellen werden im roten blutbildenden Knochenmark gebildet
  • sie sind klein
  • die weitere Vermehrung und Spezialisierung zu B-Lymphozyten findet in den lymphatischen Organen statt:
    • die Mandeln
    • Milz (Superlymphknoten)
    • Thymusdrüse im Mittelfellraum (Mediastinum: der Raum zwischen den Lungenflügeln); sie bildet sich in der Pubertät weitestgehend zurück und wird durch Binde- und Fettgewebe ersetzt
    • Wurmfortsatz (Appendix)
    • Peyerscher Haufen (Anhäufung von Lymphknoten im Darm)
  • Sie sind Erinnerungszellen und haben die Aufgabe, Antikörper gegen fremdes Eiweiß zu bilden.

Thrombozyten

  • Aufgabe: Blutgerinnung
  • sie sind sehr empfindlich gegenüber äußeren, mechanischen Einflüssen
  • mit ihrem Absterben wird das Enzym zur Einleitung der Blutgerinnung frei (Thrombokinase) und die Blutgerinnung setzt ein
  • der Gerinnungsfaktor Prothrombin wird in der Leber mit Hilfe des Vitamins K hergestellt

Fibrinogen (wird in der Leber hergestellt) wird ständig ins fließende Blut abgegeben und wird durch Thrombin zu Fibrin aktiviert. Fibrin ist ein netzartiges, klebriges Fasergerüst, in dem sich vorerst alle Thrombozyten, später auch rote und weiße Blutkörperchen verfangen. Das Ergebnis ist ein Thrombus.

Verhindern der Blutgerinnung

  • Marcumar inaktiviert das Vitamin K
  • Heparin und Mono Embolex unterbrechen die Thrombinbildung
  • ASS und Aspirin verhindern die Thrombozytenverklebung

Thrombose

Eine Thrombose bzw. ein Venenverschluß ist eine Thrombenbildung in der Vene, ist nicht so gefährlich wie ein arterieller Verschluß. Der arterielle Verschluß bildet sich ein Thrombus in einer Arterie. Ein Embulus ist ein gelöster Thrombus. Man unterscheidet zwei Arten der Thrombose:

  • Thrombophlebitis
    • Blutgerinnsel in einer oberflächlich verlaufenden, kleineren Vene
    • die Thrombophlebitis macht sich durch Rötung, Schwellung und Schmerzen bemerkbar
    • Patient darf aufstehen
  • Phlebothrombose
    • Blutgerinnsel in einer tiefer gelegenen, großen Vene
    • verläuft im Gegensatz zur Thrombophlebitis unbemerkt
    • wenn sich der Thrombus löst wandert er durch die Venen über das Herz zur Lungenarterie, um diese dann zu verschließen
    • Patient darf nicht aufstehen

Blutgruppen

  • Entdeckung: 1901
  • Entdecker: Karl Landsteiner

Agglutination

  • Ursache der Agglutination sind die Antigene auf der Oberfläche der Erythrozyten.

Blutgruppe

Es gibt Menschen, die haben nur Antigen A. A

Es gibt Menschen, die haben nur Antigen B. B

Es gibt Menschen, die haben beide Antigene. AB

Es gibt Menschen, die haben keine Antigene. 0

Antigene können von sich aus nicht agglutinieren

die Agglutination wird durch Antikörper ausgelöst, die flüssig und Bestandteile des Serums sind

man darf niemals Antikörper im Serum haben, die die eigenen Antigene zur Agglutination bringen

Verträglichkeit der Blutgruppen untereinander bei einer Blutspende

Empfänger \ Spender

A

B

AB

0,00

A

+

0,00

0,00

+

B

0,00

+

0,00

+

AB

+

+

+

+

0,00

0,00

0,00

0,00

+

+: verträgt sich         0: verträgt sich nicht

Die Antigene des Spenders agglutinieren im Serum des Empfängers durch die dort vorhandenen Antikörper (im obiger Tabelle: 0).

Phänotyp: äußeres Erscheinungsbild / Blutgruppeneigenschaft (A, B, AB, 0)

Genotyp: genetisches Erbbild / Blutgruppen auf den Chromosomen (A/A, A/B, …, 0/B, 0/ AB, 0/0)

Rhesussystem

Dabei können bis zu drei weitere Antigene (C, D, E) zusätzlich vorkommen, jeweils doppelt. Es kann aber auch keines von allen vorhanden sein.

Rhesus positiv bedeutet, daß mindestens eines dieser drei Antigene nachweisbar ist (dies ist bei 85 % der Mitteleuropäer der Fall).

Rhesus negativ heißt, daß keines der Antigene vorhanden sind (kommt bei 15 % der Mitteleuropäern vor). Gegen Rhesusantigene gibt es primär keine Antikörper. Wenn jedoch positives Blut auf negatives Blut trifft (Transfusion), bildet der Rhesus negative Empfänger Antikörper. Die Rhesus positiven Erythrozyten sind jedoch schon tot, wenn die Antikörper fertig sind. Beim zweiten Kontakt kommt es dann zur Agglutination.

D-Antigene haben die stärkste und aggressivste Wirkung. Alle Menschen, die einmal Antigen D hatten, gelten als Rhesus positiv. Wenn jedoch nur Antigene C oder E vorhanden sind, dann gelten diese Menschen als Spender Rhesus positiv, als Empfänger Rhesus negativ.

Schwangerschaft

Annahme: Mutter Rhesus positiv

Kind Rhesus negativ

während der Schwangerschaft passiert in der Regel nichts

während der Geburt kommt es dann zur Perforation der Placenta und von Gefäßen

die Mutter produziert Antikörper

wenn bei der nächsten Schwangerschaft das Kind wieder Rhesus negativ ist, dann wandern Antikörper durch die Placenta in das Blut des Kindes

Folge: das Blut des Kindes agglutiniert und es stirbt

Rhesusschreibweise

ccddee: Antigene sind nicht vorhanden, 100%-ig negativ

CCDDEE: alle Antigene sind vorhanden, 100%-ig positiv

cCddEE: als Empfänger negativ, weil Antigen D fehlt

als Spender positiv, weil positive Antigene vorhanden sind

rhesus negativ wenn negativ, wird “rhesus” klein geschrieben

Rhesus positiv wenn positiv, wird “Rhesus” groß geschrieben