Das Gewebe

image_pdfimage_print

Das Gewebe ist das Ergebnis von zahlreichen mitotischen Zellteilungen, welche sich im Laufe der Entwicklung zu speziellen Zellen entwickelt haben. Unter Gewebe verstehen wir eine Ansammlung von Zellen gleichen Aufbaus, gleicher Funktion und gleicher Zwischenzellsubstanz (Interzellularsubstanz).

Aufgrund dieser unterschiedlicher Eigenschaften kennen wir verschiedene Grundgewebsarten:

  • Muskelgewebe

  • Deck- oder Epithelgewebe

  • Binde- und Stützgewebe

  • Nervengewebe

Muskelgewebe

Die Interzellularsubstanz ist in jedem Gewebe flüssig und wasserähnlich.

glatte Muskelzellen

  • klein (20 bis 500 nm)

  • sie sind miteinander verzahnt, liegen kreuz und quer

  • jede glatte Muskelzelle hat einen zentralliegenden Zellkern

  • sie sind willentlich nicht bedienbar, d. h. sie unterstehen nicht unserem Willen

  • sie unterstehen in ihrer Funktion nur dem autonomen oder vegetativen Nervensystem

  • sie sind überall dort zu finden, wo Inhalte transportiert werden müssen

    • Magen, Dick- und Dünndarm

    • alle Blutgefäße (Arterien, Venen)

    • Lymphgefäße

    • Harnleiter, -blase

    • Lunge und

    • die untersten Zweidrittel der Speiseröhre

Bei der glatten Muskulatur sind die einzelnen Muskelzellen so stark miteinander verzahnt bzw. verzweigt und in keiner Ordnung zueinanderliegend, so dass man dort die Querstreifen nicht erkennen kann.

Skelettmuskulatur

  • Bewegungsmuskulatur, ist willentlich bedienbar und untersteht dem eigenen Willen

  • die Muskelzellen sind quergestreift

  • die Zellen verlaufen geordnet und parallel nebeneinander

  • die einzelnen Zellen können bis zu 10 bis 12 cm lang werden

  • wegen der Länge sind mehrere Zellkerne pro Zelle vorhanden

  • diese liegen am Rand der Zellen, da sie sonst störend wirken würden

  • es gibt pro mm2 15 Zellkerne

  • sie untersteht dem zentralen Nervensystem im Gehirn und Rückenmark

Die Muskelzellen entstehen in der vorgeburtlichen Zeit aus mehreren einzelnen Muskelzellen, die da noch „normale“ Zelleigenschaften aufweisen. Diese werden in einer Reihe gelagert und während der Entwicklungsphase lösen sich die Membranen zwischen den einzelnen Zellen auf und aus mehreren Zellen entsteht so eine einzelne. Die vorhandenen Zellkerne wandern an den Rand.

Das Zytolemm der Muskelzelle heißt Sarkolemm, Sarkoplasma ist das Zellplasma. Ein Bündel solcher Muskelfasern wird von der Faszie umschlossen, mehrere solcher Muskelfaserbündel bilden einen Muskel und werden wiederum von einer Faszie umgeben.

Die Muskelzellen enthalten viele kleine Fäserchen (Myofibrillen), die parallel verlaufen, jedoch makroskopisch nicht sichtbar sind. Die Myofibrille ist ein Zusammenschluß vieler kleiner Teile oder Abschnitte, den Sarkomeren.

Der Ursprung der Kontraktion der Muskulatur liegt im Sarkomer, damit sich aber ein Sarkomer zusammenziehen kann, gibt es die Actin-Myosin-Verbindungen. Bei der Kontraktion der Muskelzelle werden durch die Beweglichmachung dieser Verbindungen die Actinfäden zwischen die Myosinfäden geschoben. Dadurch verkürzt sich das Sarkomer. Bei dem Auseinanderziehen des Sarkomers werden durch die Actin-Myosin-Verbindungen die Actinfäden aus den Myosinfäden gezogen und das Sarkomer wird verlängert.

Herzmuskulatur

  • vom Aussehen quergestreift (wie Skelettmuskulatur)

  • von der Funktion her sind sie wie die glatten Muskelzellen

  • willentlich sind sie nicht bedienbar

  • untersteht in der Frequenz dem autonomen oder vegetativen Nervensystem

  • die einzelnen Zellen sind miteinander verzahnt

  • jede Zelle besitzt einen Nucleus

  • eine Zelle wird bis zu 0,5 mm groß

Bei der Herzmuskulatur sind die einzelnen Zellen so groß und so angeordnet, dass man auch bei dieser Muskulatur die Querstreifen erkennen kann.

Deck- und Epithelgewebe

Es gibt drei verschiedene Deck- und Epithelgewebe:

  • Plattenepithelgewebe

  • kubisches Epithelgewebe einschichtig

  • Zylinderepithelgewebe

  • nach Aussehen der obersten Zellage benannt mehrschichtig

  • (hier mehrschichtiges Plattenepithelgewebe)

Das Plattenepithelgewebe ist überall dort zu finden, wo Stoffe passiv wandern müssen, nämlich als innere Auskleidung

  • von allen Blutgefäßen

  • der Lymphgefäße

  • der Alveolen (Lungenbläschen)

  • des Herzens

  • Nierenkörperchen

  • Peritoneum (Bauchfell); Funktion: Schmierfilm der inneren Organe und es muß in der Lage sein, Wasser zu resorbieren

  • des Pleuras (Pleura: Brustfell) umgibt jeden einzelnen Lungenflügel; zwischen dem Pleura und dem einzelnen Lungenflügel befindet sich ein Raum mit einer serösen Flüssigkeit, der Pleuraspalt (serös: hell, klar, wäßrig)

  • von Gelenkshöhlen

mehrschichtiges Plattenepithelgewebe

Das mehrschichtige Plattenepithelgewebe ist sehr widerstandsfähig und dient daher als Schutz vor mechanischen und thermischen Einflüssen. Es kommt unverhornend und verhornend vor.

Das unverhornende mehrschichtige Plattenepithel befindet sich

  • in der Mundhöhle bis zum Ende der Speiseröhre

  • in der Vagina

  • im Anus (letztes Ende des Dickdarms)

Das verhornende mehrschichtige Plattenepithel findet man in der Epidermis (oberste Schicht der Haut). Verhornend bedeutet, dass die oberste Schicht austrocknet, verhornt, sich abstößt und von einer neuen Schicht ersetzt wird.

kubisches Epithelgewebe

Das kubische Plattenepithelgewebe kommt selten und auch nur einschichtig vor und kann bei Bedarf durchlässig sein. Es kommt in den Gallengängen und in den Nierentubuli, den Anhängseln der Nierenkörperchen vor.

einschichtiges Zylinderepithelgewebe

Das einschichtige Zylinderepithelgewebe ist fähig zur Sekretion (Bildung und Abgabe von Flüssigkeit).

Auftreten:

  • im Magen (zur Magensaftproduktion)

  • im gesamten Darm (Dünn- und Dickdarm); Ausnahme: Anus

  • in der Gebärmutter

  • Hoden

  • Nebenhoden

  • Samenleiter

  • in allen Drüsen

mehrschichtiges Zylinderepithelgewebe

Das mehrschichtige Zylinderepithelgewebe dient als Transportgewebe und findet man als Flimmerepithelgewebe in

  • den großen Atemwegen (hier werden kleinste Partikel aufgehalten und durch Husten wieder nach außen transportiert) und

  • im Eileiter.

mehrschichtiges Übergangsepithelgewebe

Da es keine feste und konstante Form besitzt, so wie die anderen Epithelgewebe, kann es sich dem jeweiligen Füllungszustand anpassen. Beispiel Harnblase: Ist die Blase leer, nimmt das Übergangsepithelgewebe die Form des Zylinderepithelgewebes an, ist sie jedoch schon gefüllt, hat es die Form des kubischen Epithelgewebes und wenn die Blase randvoll ist, besitzt es die Form des Plattenepithelgewebes.

Vorkommen:

  • im Nierenbecken

  • im Harnleiter

  • in der Harnblase (ganz besonders)

Binde- und Stützgewebe

Es gibt drei verschiedene Binde- und Stützgewebsarten:

  • Bindegewebe

  • Knorpelgewebe

  • Knochengewebe

Bindegewebe

Die Bindegewebszellen schwimmen in einer milchigen Grundsubstanz, die sie selbst produzieren. Die Besonderheit dieser Grundsubstanz ist, dass in ihr Fasern enthalten sind (nur beim Bindegewebe).

Je nach Qualität bzw. Beschaffenheit dieser Fasern unterscheidet man drei Arten von Bindegewebe, die aber selten in reiner Form vorkommen.

  • Das elastische Bindegewebe kann sich dehnen und zusammenziehen.

    • in der Lunge

    • in allen Blutgefäßwänden

  • Das kollagene Bindegewebe ist leimgebend und zeichnet sich durch hohe Zug- und Reißfestigkeit aus. Vorkommen in

    • Sehnen Verbindung zwischen Muskeln und Knochen

    • Bändern Stabilisierung von Gelenken

  • Das retikuläre Bindegewebe besitzt netzartige Fasern, wird in seiner Gesamtheit auch als RES (reticulo-endotheales System) bezeichnet und dient sowohl der

    • Phagozytose und

    • der Antikörperbildung.

  • Vorkommen:

    • Knochenmark

    • Milz

    • Lymphknoten

    • Leber (Kupffersche Sternzellen)

    • Darm

Das Bindegewebe besitzt ein Schwestergewebe, das Fettgewebe. Das Fettgewebe ist Bindegewebe mit eingelagertem Fett.

Knorpelgewebe

Die Grundsubstanz und die Fasern in ihr sind fest. Es gibt drei verschiedene Arten von Knorpelgewebe:

  • Der hyaline Knorpel ist glasartig. Man findet ihn als

    • Knorpelringe in der Trachea (sie muß starr sein, damit Luft in die Lunge gelangt

    • Gelenksüberzug, um Reibung zu verhindern

    • embryonalen Knorpel

    • Kehlkopf

    • Nasenknorpel und

    • Rippenknorpel (Verbindung zwischen Rippen und Brustbein).

  • Den elastischen Knorpel findet man in

    • der Ohrmuschel

    • dem Gehörgang und

    • als Kehldeckel.

  • Der Faserknorpel ist überall dort zu finden, wo der Körper größeren Druckbelastungen ausgesetzt ist, so

    • in den Bandscheiben (zwischen Wirbelkörpern)

    • im Kniegelenk als Meniskus (Sg.); Menisken (Pl.)

    • als Schambeinfuge (Symphyse)

Knochengewebe

Die Interzellular- / Grundsubstanz ist richtig hart, weil in den Fasern Kalksalze wie Magnesium, Kalzium und Phosphor eingelagert sind. Bei Kalksalzmangel sind die Knochen biegsam und bei einem Überfluß sind die Knochen spröde und brüchig.

Die Knochen haben eine Stütz- und Schutzfunktion. Sie stützen den Körper und schützen das Gehirn (Schädel) und den Herz- / Lungenbereich (Rippen).

Os: Knochen

Osteozyten: Knochenzellen

Aufbau eines Röhrenknochens

Die Epiphysenfuge ist während der Pubertät für den Wachstum verantwortlich und unterliegt hormonellen Einflüssen (Testosteron, Östrogen). Am Ende der Pubertät entsteht aus diesem Knorpel Knochen.

Das Periost ist ein Knochenhaut- / Bindegewebe mit sehr vielen schmerzleitenden Nervenbahnen (NICHT mit dem Kortikalis zu vergleichen).

Die Generallamellen sind mehrere „Ringe“, die sich innerhalb des Periost befinden.

Mit dem Haversschen System zusammen, das Blutgefäße, die Haversschen Kanäle, beinhaltet, bilden die Generallamellen und das Periost die feste Masse des Knochens, den Kortikalis, aus. Sie nehmen zusammen etwa die Hälfte des Knochendurchmessers ein.

In der Kortikalis befinden sich die Volkmannschen Kanäle, die zur Blutversorgung benötigt werden und quer zum Knochen verlaufen.

In der Mitte des Knochens befindet sich die Spongiosa, ein schwammähnliches Gebilde, das das eigentliche Knochenmark beherbergt.

Bei den Röhrenknochen gibt es die Besonderheit, dass das Knochenmark gelblich gefärbt ist und Fett beinhaltet. Dies ist jedoch nur in langen Röhrenknochen wie dem Oberschenkelknochen möglich.

Bei Knochen, die keine langen Markhöhlen besitzen, wie zum Beispiel der Schädelknochen, oder auch gelenknahen Knochenteilen ist das Mark nicht gelb, sondern rot, weil es hier zur Blutbildung fähig ist. Im gesamten Körper befinden sich insgesamt 1,5 kg blutbildendes Knochenmark.

Der größte Teil des Knochengewebes unterliegt der indirekten Ossifikation (indirekte Knochenbildung) auf dem Umweg der Bildung von hyalinem Knorpel.

Direkte Ossifikation bedeutet, dass der Knochen direkt entsteht. Bei der indirekten Ossifikation wird zuerst ein Knorpel gebildet und erst dann daraus der Knochen (Beispiel: Epiphysenfuge).

Nervengewebe

Das Nervengewebe wird nach zwei Kriterien eingeteilt,

  • dem Ort

    • zentral: Gehirn und Rückenmark

    • peripher: Nervenbahnen, die das Rückenmark verlassen haben

  • und Funktion

    • den willentlich zu bedienbaren Teil des Nervengewebes

    • den willentlich nicht zu beeinflussenden Teils des Nervengewebes (autonomes oder vegetatives Nervensystem)

Alle in der Peripherie verlaufenden Nervenfasern setzen sich immer aus zwei Bahnen zusammen:

  • einem absteigenden, motorischen, efferenten Teil

  • einem aufsteigenden, sensiblen, anefferenten Teil

Aufbau einer Nervenzelle

  • Anzahl schätzungsweise 20 Milliarden

  • 15 % werden jedoch nur genutzt

  • einmal abgestorbene Nervenzellen regenerieren sich nicht

  • Absterben durch

    • Sauerstoffmangel, Nährstoffmangel

    • traumatische Schäden

Das Soma, Zentrum, mit Zellkern befindet sich nur im Gehirn oder im Rückenmark

die Ausläufer, Dendriten, gehen strahlenförmig vom Soma ab

es gibt einen langen Ausläufer, Axon oder Neurit; Länge bis zu 1 Meter

die Synapse besteht aus drei Teilen

  • Ende der Nervenzelle, die Präsynapse

  • der synaptischer Spalt ist mit Überträgersubstanz (Hormonen) gefüllt, allein dadurch können Reize übertragen werden

  • Muskelzelle, auch Postsynapse genannt

Die Zellmembran wird bei der Nervenzelle Neurilemm genannt, das neben Zellen (4) auch Myelin (Nervenmark), das aus Eiweiß und Fett besteht und in der Schwannzelle hergestellt wird, enthält.

In den Einschnürungen, die 1,5 mm voneinander entfernt sind, werden Mineralien, die die Reize übermitteln, ausgetauscht. Diese Reize werden saltatorisch, das heißt sprunghaft, in einer Geschwindigkeit von 100 m/sec weitergegeben. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die Mineralien (Ionen) wandern bzw. sich austauschen.

Die peripheren Nervenbahnen besitzen eine Schwannscheide, haben eine Isolierung, und sind von außen weiß. Die Reizleitung ist bei diesen Nervenbahnen schneller.

Die zentralen Nervenbahnen in Gehirn und Rückenmark besitzen keine Schwannscheide, haben also keine Isolierung und sind von außen grau. Im zentralen System im Vergleich langsam.

Print Friendly
No votes yet.
Please wait...

Schreibe einen Kommentar